2007. december 29., szombat

Der Weg

Es war einmal eine kleine Fee. Sie war eine gute Fee, brachte Segen und Wohlstand der Natur und den Tieren. Sie hat nur Gutes getan, und hat niemals jemandem ein Leid zugefügt. Dennoch, ein einziges Mal in ihrem jahrhunderte langen Leben, hat sie etwas böses getan.
Es war damals Winter. Seit langen Wochen lag Schnee auf der Erde, und die Tiere konnten kein Futter finden. Die kleine Fee war Tag und Nacht damit beschäftigt, dass sie in den Schnee Lichtungen zauberte, wo die Tiere für ein paar Stunden grasen konnten. Danach war es wieder zugeschneit.
Nach mehreren Tagen und Wochen war die Fee völlig erschöpft, und sie merkte, dass ihre Zauberkräfte nachlassen. Sie wusste, dass sie eine Zeit lang Ruhe bräuchte. Aber sie sah auch, dass ohne sie die Tiere keine Chance auf Überleben hatten. Sie kam ins Grübeln, was sie nun tun sollte. So kroch sie in einen hohlen Baumstamm, und fing an nachzudenken.
Sie war so vertieft in ihre Gedanken, dass sie das Schnüffeln erst gar nicht bemerkt hatte. Ein hungriger Löwe hat Witterung aufenommen, und suchte nach ihr. Die Fee schrak erst auf, als der Löwe schon vor dem hohlen Baum stand, und seine feuchte Nase direkt vor ihr ins Loch steckte. Sie fühlte sich in die Ecke gedrängt, und Panik kroch in ihr hoch. Gleich, gleich würde er sie fressen, und sie könnte nie wieder den Tieren helfen, nie wieder zaubern, nie wieder die Sonne erblicken!
Nein! So soll sie nicht verenden! Sie soll nicht in einem Löwenmagen verderben!
Sie nahm all ihre Kräfte zusammen, die ihr noch blieben, und sprach die Zauberformel. Der Löwe brüllte schmerzerfüllt auf. Dann fing er zu schrumpfen an. Er wurde immer kleiner, verlor sein Fell und seine Mähne, seine Beine entwickelten sich zurück, und der einst stolze, wilde Löwe sank als eine machtlose, kleine Raupe zu Boden.
Die Fee zitterte vor Erregung. Zum ersten Mal in ihrem Leben empfand sie so etwas wie Zorn. Sie trat aus dem Baumloch und betrachtete verachtend die Raupe, die sich vor ihren Füßen wand und sie flehend anschaute. Doch die Fee war von Sinnen. Ein Anflug von Bosheit huschte über ihr Gesicht. Sie hob ein Fuß an, und trat einmal kräftig auf die Raupe.
Im nächsten Moment erschrak sie von ihrer eigenen Tat, und hockte sich hin, um nachzusehen, was aus der Raupe geworden war. Sie lebte noch, aber ihr Körper war an einer Stelle aufgeplatzt, und ihre Körpersäfte sickerten aus der Wunde.
Die Fee fing an zu weinen. „Was habe ich getan?!“ Fragte sie sich immer wieder. Sie spürte, dass sie nun gar keine Zauberkräfte mehr hatte um die Raupe zurückzuverwandeln, und so blieb ihr keine andere Wahl, als ein paar heilende Kräuter auf die Wunde zu legen, und die Raupe ihrem Schicksal zu überlassen.
Die Zeit verging. Es wurde wieder Frühling. Die Fee hatte ihre Kräfte wiedergewonnen, und tat wieder nur noch Gutes. Doch etwas hat sich in ihrem Leben verändert. Es war, als läge ein Fluch auf ihr. Egal, wo sie hinkam, egal was sie tat, sah sie vor ihren Augen immer wieder die kleine Raupe, die ihr mit vorwurfsvollen Blicken ihre klaffende Wunde zeigte.
Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie versuchte zu fliehen. Sie versuchte zu entkommen. Aber je mehr sie sich wehrte, je mehr sie versuchte, die Raupe aus ihrem Inneren zu schlagen, umso hartnäckiger wurden die Bilder in ihr. Sogar nachts, wenn sie schlief, kroch die Raupe in ihre Träume hinein, wurde größer und dicker, und guckte strafend die Fee an. Aus solchen Träumen erwachte sie schweißgebadet, und mit hämmerndem Herzen.
Während dessen fing der Wald an dahinzusterben. Die kleine Fee war nur noch mit ihren inneren Bildern und mit der Flucht davon beschäftigt, und vernachlässigte ihre eigentliche Aufgabe. Erst welkten die Blumen, der Boden war trocken geworden, und die Insekten fanden kein Nektar mehr. Sie wurden immer weniger, und die Vögel fingen an zu hungern.
Ab und zu, wenn die Fee ein paar klare Gedanken hatte, merkte sie, wie ihr Wald Not leidete. Dann unternahm sie ein paar verzweifelte Versuche, die Zerstörung aufzuhalten. Der Wald gewann dadurch ein paar sonnige Tage oder auch segenreiches Regen, aber am Grundproblem, nämlich, dass die Fee innerlich abwesend war, hat es nichts geändert.
Eines Morgens, als sie gerade keine Visionen hatte, und in ihrem Wald spazieren ging, hier und da den Blumen Wasser schenkte und die Bäume von Parasiten befreite, kam ihr plötzlich ein Gedanke. Sie blieb stehen, und horchte in sich hinein. Eine ganz leise Stimme sagte in ihr, dass sie nun eine Entscheidung treffen sollte. -- Die Fee bekam zwar Angst, aber andererseits fühlte sie sich auch stark, sich dieser Angst zu stellen.
Sie ging wieder zum hohlen Baum, und setzte sich hinein. Sie musste nachdenken. Es dauerte lange, denn die Entscheidung, die sie treffen sollte, hatte einen hohen Preis. Sie sollte eine Zeit lang aus dem Wald gehen, die gewohnten Wege verlassen, und nach einer Lösung suchen, die sie von dem Fluch befreit. Sie wusste, wo sie hinmusste. Zum Löwenkönig. Und das machte ihr sehr viel Angst. Denn – wie alle Löwen – hatte der Löwenkönig Feen als Lieblingsspeise. Es war überhaupt nicht sicher, dass sie jemals nach Hause zurückkehren konnte. Doch sie wünschte sich nichts sehnlicher, als ihren Frieden in ihrem schönen Wald zurückzugewinnen.
Sie weinte lange, weil sie wusste, es gibt keinen anderen Weg. Als sie vom Weinen völlig erschöpft war, schlief sie ein. In ihrem Traum sah sie einen leuchtenden Engel. Engel waren Wesen, die den Feen ähnlich sahen, nur waren sie viel größer, und verstanden viel mehr von den zusammenhängen des Universums. Der Engel lächelte sie an. Dann brach er ein Stück von den Sonnenstrahlen ab, die ihn umhüllten, und reichte ihn der kleinen Fee. Die Fee nahm den leuchtenden Strahl, und plötzlich durchströmte sie eine nie gekannte Wärme.
Als sie aufwachte, hatte sie ein klares Bild vor ihren Augen. Sie sah einen Weg, der voll Dornen war, und große Steine lagen darauf. Der Weg führte nach oben, und sie erblickte eine Anhöhe, hinter der die Sonne gerade aufzugehen schien.
Mit diesem Bild in ihrem Inneren, ging sie aus dem Baumloch. Als erstes, verabschiedete sie sich von ihrem Wald, und versicherte ihm, dass sie zurückkehren und alles in Ordnung bringen würde. Der Wald seufzte mit einem Wind, und ihre Blätter fingen an, zu Boden zu fallen. Die kleine Fee weinte, als sie das sah, aber sie konnte nichts anderes mehr tun. Sie musste sich auf den Weg machen.
Es war Mitternacht, als sie den Waldrand erreichte. In dem Moment, wo sie aus dem Wald trat, fing ein unheimliches Gewitter hinter ihr an. Die Bäume neigten sich, Staub und Geröll löste sich von der Erde, und wirbelte wild herum. Das Herz der kleinen Fee wurde bleischwer, und sie weinte wieder.

Der Löwenkönig schnüffelte an ihr herum. Er war überrascht, dass eine Fee freiwillig in sein Revier kam, und da er neugierig war, fraß er die Fee nicht sofort auf. Erst einmal wollte er wissen, was sie zu sagen hatte.
Der kleinen Fee pochte das Herz, und ihr Atem war ganz flach vor Angst, Aufregung aber auch von dem inneren Mut, mit dem sie vor dem gewaltigen Löwen stand.
- Was willst du?! – brüllte der Löwenkönig sie an, dass ihre Haare flatterten.
Sie antwortete. Ihre Stimme war zu Anfang zaghaft, aber mit jedem Wort wurde sie fester und bestimmter.
- Großer Löwenkönig, ich stehe in Eurer Schuld… Vor einiger Zeit kam ein Sohn von Euch in meinen Wald. Es war Winter, und er war hungrig. Er hat mich in einem Baumloch gefunden, und wollte mich fressen. Doch das gelang ihm nicht, denn er wurde durch meine Zauberkräfte in eine Raupe verwandelt. Wenn ich es dabei bleiben lassen hätte, wäre auch nichts schlimmes passiert. Aber ich trat die wehrlose Raupe so fest, dass sie ernstlich verletzt wurde, und nun stehe ich jetzt vor Euch, um meine Schuld zurückzuzahlen. Ich kann Euch mein Leben anbieten im Gegensatz zu seinem.
Der Löwenkönig ging vor der Fee auf und ab, während sie redete, und ließ sie nicht aus den Augen. Als sie zu Ende kam, blieb er vor ihr stehen. Seine Augen funkelten, denn er wusste nun, dass er diese Fee nicht auffressen durfte. Erst muss sie ihre Schuld begleichen.
- So höre mein Urteil. Du gehst jetzt, und findest die Raupe. Du verwandelst sie wieder in einen Löwen und heilst seine Wunden. Das ist der erste Teil deiner Aufgabe, denn du hast ihm etwas angetan, dass du wieder in Ordnung bringen musst. Der zweite Teil ist, dass Bosheit nur mit Achtung gelöscht werden kann. Du musst etwas finden, womit du deine Bosheit in Liebe umwandeln kannst. Dann bist du erlöst. – der Löwenkönig hob den Kopf, dann stieß er einen tiefen Seufzer aus. Er senkte die Stimme, und schien, als wäre er gar kein starker Löwe mehr, sondern ein fühlendes, mitleiderregendes Tier. – Er war mein Lieblingssohn. Er wäre mein Nachfolger geworden, wenn du ihn nicht verwandelst. Mach, dass du ihm seine Kräfte wiedergibst, und ich werde dich verschonen. Dafür brauche ich ihn zu sehr, und es wäre nicht Recht von mir, dich unter diesen Umständen aufzufressen. Also geh. Und vergiss meine Worte nicht.
Die kleine Fee war voll ehrfurcht vor dem gewaltigen Löwen. Sie verneigte sich, und machte sich auf den Weg. In ihrem kleinen Herzen breitete sich eine Art Freude aus. Wenn sie all das, was der Löwenkönig ihr aufgetragen hatte, zu Ende bringt, würde sie zu ihrem geliebten Wald zurückkehren können. Als sie an ihren Wald gedacht hatte, empfand sie einen großen Schmerz in der Brust. Sie musste sich beeilen, dass wusste sie. Bevor es zu spät wird.
Aber sie wusste auch, dass Hektik nichts bringt. Darum setzte sie sich erstmal auf einen großen Stein, und vertiefte sich in ihre innere Bilder. Sie suchte dort nach der verwandelten Raupe. Es verging eine Zeit, und dann plötzlich sah sie sie. Sie stand auf, und ging.
Im Morgengrauen kam sie an die Wiese. Es war eine gewöhnliche Wiese, wie jede andere, aber es blühten dort einige Blumen und wuchsen ein paar Früchte, die die kleine Fee noch nicht kannte. Ängstlich und neugiereig zugleich tastete sie sich vorwärts und bestaunte die fremden Pflanzen. Dann erblickte sie die Raupe. Sie lag in der Mitte der Lichtung. Ihre Wunde war immernoch mit den alten Kräutern bedeckt, die die Fee darauf festgebunden hatte. Darunter sah es bläulich und vereitert aus.
Die Fee kam langsam näher. Sie musste ihren Ekel unterdrücken, bevor sie sich zu der Raupe hinhockte. Sie trennte die Kräuter von der Wunde. Die Raupe sah sie angst- und schmerzerfüllt an. Vereitertes Blut ergoss sich auf die Erde.
Die Fee war entsetzt, denn es war ihr bewusst, dass es ihr Werk war. Sie stand auf, machte einige Schritte rückwärts, und murmelte eine Zauberformel. Die Raupe fing an sich zu winden, schwoll an, wurde immer größer und größer. Sie bekam vier Beine, und einen Schwanz. Danach wuchsen ihr Haare, und in wenigen Minuten stand ein ausgewachsener Löwe vor der Fee. An seiner Flanke klaffte eine tiefe, verschmutzte, vereiterte Wunde.
Der Löwe brüllte auf, und warf sich auf die Fee. Sie stand nur da, und murmelte die nächste Zauberformel. Als der Löwe sie erreicht hat, hatte sie sich bereits verwandelt. In einer Bruchteil der Sekunde stand sie als schöne Löwin da. Der Löwe konnte sich nicht mehr abfangen, und biss eine tiefe Wunde am Hals der Löwin.
Das Herz der Löwin pochte hart, am liebsten hätte sie auch gebrüllt, aber dann erinnerte sie sich ihrer Aufgabe. Sie hat nicht vergessen, dass sie eigentlich eine Fee war. Auch ihre Zauberkräfte waren nicht verloren gegangen. So neigte sie ihren Kopf zur Wunde des Löwen, und fing an, sie auszulecken. Der Löwe brüllte auf, und ließ das Weibchen los. Nun tropfte Blut aus der Wunde der Löwin. Aber sie hörte nicht auf, seine Wunde zu säubern. Nach und nach ließen die Schmerzen des Löwen nach, und er sank erleichtert auf den Boden. Zum ersten Mal seit langer Zeit war er schmerzfrei.
Als die Löwin fertig war, war von der Wunde nur noch eine schmale Linie zu sehen. Die Narbe würde für immer bleiben, aber sie würde keine Schmerzen mehr bereiten.
Nach einiger Zeit stand der Löwe auf, und guckte der Löwin in die Augen. Dann wandte er sich ab, und ging los. Die Löwin folgte ihm, denn ihre Aufgabe war noch nicht vollständig erfüllt. Der Löwe blieb an einer schönen Pflanze stehen, und machte mit seiner Pfote eine Geste. Die Löwin verstand es nicht. Aber die Fee verstand es. Sie verwandelte sich zurück in ihre eigentliche Gestalt, und brach von der Pflanze eine schöne Frucht ab. Der Löwe knurrte leise, und ging zur nächsten Pflanze. Von jeder Pflanze auf der Wiese, die die Fee nicht kannte, sollte sie eine Frucht abbrechen. Und das tat sie. Dabei fühlte sie, wie ihre Beine zittern, denn sie dachte an den gewaltigen Löwen neben ihr, aber auch an ihren eigenen Wald. Das, was hier geschah, war völlig anders, als sie gewohnt war.
Als sie die letzte Frucht eingesammelt hatte, band sie sie in ein Tuch, und sie nahm das Bündel auf die Schulter. Noch ein letztes Mal schaute sie dem Löwen in die Augen. Sie verneigten sich voreinander, dann wandte sich der Löwe ab, und machte sich auf dem Weg zu seinen Eigenen.
Das Herz der Fee machte einen Freudensprung.
„Es ist vollbracht! Ich bin frei!“- sie fühlte, wie erleichtert sie war. Nun wandte sie sich auch zum Gehen. Sie hatte noch einen langen Weg nach Hause, und mit jedem Schritt, den sie tat, wurde ihr Herz wieder schwerer. Sie konnte sich nicht vorstellen, was sie dort erwartete. Aber tief in ihrem Inneren wusste sie, dass der Wald noch auf sie wartete, und dass alles nun wieder seine Ordnung zurückgewonnen hatte. Sie ging nun schneller, und die Zeit verging wie im Flug.
Zwei Tage später, während sie kaum aß und schlief, kam in die Nähe ihres Waldes. Sie blieb ein Moment stehen, denn vor ihr breitete sich ein dicker Nebel aus. Sie konnte nur einige Schritte voraus sehen, und es war unmöglich auszumachen, in welchem Zustand der Wald sie erwartete. Ihr Herz fing wieder heftig zu pochen an. Angst kroch in ihrem Hals hoch, und würgte sie. Ihre Schritte wurden wieder zaghafter, und da sie wusste, dass sie sich nun wieder in ihrem Wald befand, strengte ihre Augen an, damit sie etwas sehen konnte. Aber ausser Nebel war da nichts zu sehen.
Dann besann sie sich, und holte tief Luft. Sie schloss die Augen, und spürte in ihr nach der Antwort nach. Ein Moment lang spürte sie nichts. Dann kam es. Um ihr herum erfror die Luft, und sie fing zu zittern an. Ein kalter Hauch flüsterte Worte in ihr Ohr, die sie mit ihrem Herzen aufnahm. Es war ein Hauch des Todes.
Die kleine Fee schrie auf, und öffnete die Augen. Der Nebel war gewichen, und sie sah nun ganz deutlich, was aus ihrem Wald geworden war. Nach dem Sturm musste auch ein Waldbrand gewütet haben, denn die Bäume standen schwarz und halb verbrannt da. Die Erde rauchte noch, und über die ganze Landschaft legte sich ein graues Ödnis.
Die Fee stand fassungslos da. In ihr kam ein Gefühl der Leere hoch, als würde sie sich ins Nichts stürzen. Sie ließ das Bündel mit den reifen Früchten fallen, und sank auf die Knie. Ihr ganzer Körper wurde von einem tränenlosen Schluchzen geschüttelt.
Dann kam der Schrei. Und danach die Tränen. Und sie hämmerte verzweifelt und machtlos mit ihren Fäusten auf den Boden. „Alles war umsonst! Alles ist verloren!“ Sie wand sich auf dem Boden in ihrer Qual, raufte die Haare, und ihre Tränen tränkten die Erde. Stundenlang lag sie schluchzend da, bis sie vor Erschöpfung die Augen nicht mehr aufhalten konnte. Sie sank in einen unruhigen Schlaf.
In ihrem Traum erschien wieder der Engel, der ihr einen Sonnenstrahl geschenkt hatte. Diesmal schaute er etwas missbilligend auf die kleine Fee. Und sprach. Seine Stimme war wie ein weicher Hauch einer Harfe, sie schwoll an und verlor sich dann wieder in der Luft, und blieb nur noch der Sinn seiner Worte in der Weite.
„Was hast du erwartet? Blütenpracht und zwitschernde Vögel? Wie kurz doch dein Blick ist. Du hast eine Schuld beglichen, aber dadurch eine andere erschaffen. Nun musst du auch hier einen Ausgleich finden. Da du aber kleinmütig bist, denkst du, der Wald wäre gestorben. Du blickst ja nur auf die Oberfläche, und nicht auf die Wurzeln, die neues Leben erschaffen. Du blickst auf den Tod, wobei doch Leben da ist.“
Als sie erwachte, hatte sie wieder ein Bild vor ihren inneren Augen. Sie stand auf einer Anhöhe, und blickte zurück. Hinter ihr lag ein Weg voller Dornen und Geröll. Dann blickte sie nach vorne. Die Sonne ging hinter der Anhöhe gerade auf. Sie blendete sie für einen kurzen Moment, danach genoss sie aber die Wärme, die sie durchströmte und fühlte, wie die Kälte vollständig aus ihren Gliedern gezogen wird.
Als ihr Blick wieder klar wurde, und ihre Umgebung wieder wahrgenommen hatte, entdeckte sie eine winzige Pflanze, die an der Stelle gewachsen ist, wo ihre Tränen in die Erde sickerten. Sie sprang vor Freude auf, und klatschte in die Hände.
Sie wusste nun, dass dort, wo ein Ende ist, kommt auch immer ein neuer Anfang, und ohne den Tod kommt auch kein neues Leben.